Kapitel 03 – Der Compi

Als es zu jucken begann, überkam Attila das Bedürfnis, sich zu kratzen. Er stellte jedoch schnell fest, dass ihm die dazu erforderlichen Gliedmaßen fehlten. Obwohl er das bestimmte Gefühl hatte, sich in der terrestrischen Körperwelt zu befinden, spürte er keinen Körper. Er sah nicht durch Augen; er nahm das Bild von Miriam stattdessen durch etwas Rechteckiges auf. Es handelte sich untrüglich um die nämliche »Bewährungshelferin «. Der Ring mit dem grünen Jaspis befand sich jedoch am Finger, nicht am Bauchnabel. Altmodisches Design, Anfang des 20. Jahrhunderts. Erbstück oder Flohmarkt? Das verwaschene schwarze T-Shirt zeigte das Bild einer koketten Teufelin mit weißem Bikini und den Spruch: »Wer sündigt, hat mehr vom Leben.« Alles in allem sah Miriam keineswegs mehr so rattenscharf aus, wie er sie im Gedächtnis hatte. (Attila hatte keine Ahnung, woher das Wort »rattenscharf« stammte, das ihm in den Sinn kam.) Der feurige Hintergrund fehlte ebenfalls. Vielmehr schaute ihn Miriam mit einem ziemlich verschlafen-verknitterten Gesicht an. Genau betrachtet, blickte Miriam ihn allerdings gar nicht an, sondern schlichtweg durch ihn hindurch. Attila hörte es klappern und Miriam knurrte etwas für ihn Unverständliches, was offenbar auch nicht für ihn bestimmt war. Mit einem Mal wurde ihm klar, dass er über eine unübersehbare Menge an Informationen verfügte. Doch er wusste nichts mit ihnen anzufangen.

Kapitel 3 – Der Compi

Andreas Ullrich 8. März 2009 03 Der Compi Ein Kommentar Trackback URI Kommentare RSS

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